Die Rechte der Frauen in Nigeria existieren eigentlich nur auf dem Papier. Frauen haben kaum Rechte und wenn sie Witwen geworden sind, erst recht nicht mehr. Mit aufgezwungenen Witwenritualen werden sie aufs Übelste erniedrigt. „Sie müssen das Wasser trinken, mit dem ihr verstorbener Mann gewaschen wurde. Damit beweist sie, ihrem Mann treu gewesen zu sein“, erzählt Katharina Wittenberg aus Gräfenberg. Sie ist eine der Koordinatorinnen des Weltgebetstags der Frauen, der immer am ersten Freitag im Monat weltweit gefeiert und rund um die Uhr gebetet wird. Frauen setzen sich für die Frauen eines Landes ein. Dieses Jahr für die Frauen in Nigeria.

„Die Frauen haben keine Rechte mehr, wenn ihr Mann tot ist“, sagt Wittenberg. Abgesehen davon, dass die Gleichberechtigung nur offiziell auf dem Papier stehe, sind nach dem Tod des Ehemanns alle Rechte weg. „Selbst die Witwen können vererbt werden“, erzählt Wittenberg. Und die Kinder dazu. „Es gibt keine Gleichberechtigung. Sie dürfen alle Pflichten tragen, aber haben keine Rechte. Sie dürfen nicht erben“, sagt Wittenberg. Entweder erben die Eltern des verstorbenen Ehemanns und wenn diese nicht mehr leben, dann erbt der Bruder des Verstorbenen. Er erbt auch die Frau und die Kinder. Ob diese das wollen oder nicht. Manche müssen sich an der Beerdigung den Kopf rasieren oder auf dem Boden schlafen.

Wie in fast allen afrikanischen Ländern sind auch in Nigeria die Mädchen benachteiligt. „Es gibt dort die Genitalbeschneidung, die zwar verboten ist, aber dennoch praktiziert wird. Weil es schon immer so gemacht wurde“, erklärt Wittenberg diese Verstümmelungen, die besonders für Mädchen schlimm ist und viele Mädchen und Jungen an den daraus resultierenden Infekten sterben. „Die Großmütter drängen darauf, selbst wenn es die Eltern nicht wollen. Sie erhoffen sich Keuschheit für die Männer“, sagt Wittenberg. Bedauernswerterweise würden auch traditionelle Christen dieses verbotene Ritual durchführen.

Ganz intensiv mit der Situation der Nigerianerinnen hat sich Katharina Wittenberg in den vergangenen Monaten beschäftigt. Normalerweise verschaffen sich die Koordinatoren und WGT Beauftragten ein Bild von der Lage vor Ort. Allerdings untersagte das Auswärtige Amt eine Reise nach Nigeria, aufgrund der massiven Probleme und Unsicherheiten durch die Boko Haram, informierte Katharina Wittenberg. „Boko Haram heißt gegen westliche Kultur zu sein“, erklärt Wittenberg. Besonders schlimm sei die Lage im Norden, im muslimischen Teil Nigerias. Im Westen leben viele Protestanten, im Osten hauptsächlich Katholiken. Schon 2014 entführte die Boko Haram über 270 Mädchen aus einer Schule im Norden Nigerias. Längst sind nicht alle Mädchen frei. Von 90 Mädchen fehlt jede Spur. „Eins spielt in dem Gottesdienst eine große Rolle“, erzählt Wittenberg. Das Mädchen ist nicht frei gekommen und wird wohl auch nicht mehr frei kommen. Aber die Glaubensstärke ist so groß“, erzählt Wittenberg. Im Dezember vergangenen Jahres sind wieder über 300 Schülerinnen mit ihren Lehrerinnen entführt worden. Die Christenverfolgung ist in Nigeria groß, auch oder gerade im Norden. Was mit den Mädchen passiert? Das Schicksal ist ungewiss. Sie werden zu Sexsklavinnen, zwangsverheiratet, müssen konvertieren oder werden zu Kindersoldaten ausgebildet. Manchen gelingt die Flucht. Manche haben in der Gefangenschaft Kinder geboren. Manche werden ausgetauscht und kommen so wieder frei. Allerdings werden sie von ihren Gemeinschaften gemieden. „Kommt, bringt eure Last!“ ist das Motto des Gebetstags für die Frauen in Nigeria. Das Geld, das am WGT gesammelt wird, unterstützt Projekte für die Frauen in Nigeria, damit sie in Frieden und Würde leben können. Bildung ist immer ein zentrales Thema.

Nigeria ist ungefähr drei Mal so groß wie Deutschland und mit 230 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land in Afrika. In Nigeria leben sehr viele arme Menschen, aber ebenfalls viele reiche Menschen. „Sie feiern Sektpartys“, erzählt Wittenberg. Im Nigerdelta gebe es tolle Plätze zum Baden. Für die Touristen. Nigeria ist reich an Bodenschätzen. „Es ist ein ölreiches Land“, sagt Wittenberg. Im Ölhandel ist Nigeria groß dabei. „Bis vor zwei Jahren hat Nigeria Öl exportiert“, erzählt die Koordinatorin des WGT. Dann kam Aliko Dangote, der Raffinerien baute, damit superreich wurde, aber Nigeria auch ein wenig unabhängiger machen wollte. Denn Nigeria hatte seit der Unabhängigkeit Rohöl exportiert und Kraftstoffe importiert. Nun ist es dem Land möglich, Kraftstoffe zu exportieren und somit nicht mehr von Importen abhängig zu sein. Doch Nigeria liefert nicht nur Öl und Gas, sondern auch seltene Erden, die für unser Computer und Laptops wichtig sind. Das ist die andere Seite des Landes, das von Armut und Reichtum geprägt ist.
Fotos Weltgebetstagsteam
Text Copyright Petra Malbrich

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Das zweite Foto zeigt das Parlamentsgebäude in Abuja. Nigeria wird demokratisch regiert, hat aber mit vielen Problemen wie Korruption, wirtschaftlicher Ungleichheit und Extremismus zu kämpfen.
Das letzt Bild zeigt eine Kirche. Nigeria ist im Norden vom Islam und im Süden vom Christentum geprägt. Beide Religionen sind fast gleich stark, mit einer leichten Mehrheit für den Islam.
