Karfreitag: Gedanken zum Kreuzweg

Karfreitag ist kein alter Feiertag. Karfreitag ist noch immer lebendig.

St. Michael in Neunkirchen am Brand. Oben bei der Fahne sind Jugendliche, die mit den Ratschen die Karfreitagsprozession einläuten.

Jesus stirbt für uns am Kreuz. Warum das alles? Inwiefern sollen wir deshalb gerettet sein?  Was hat das mit Liebe zu tun und wieso soll ein Kreuz helfen?

Es gab den Sündenfall. Der Mensch wollte wie Gott sein und hat Gottes Gebote nicht geachtet. Die Folge, die angekündigte Konsequenz, dass der Mensch dann sterben wird, bedeutete die Trennung von Gott. Doch Gott wollte nicht, dass der Mensch von IHM getrennt ist. Zu sehr liebte ER uns. Doch wie kommt ein Mensch, dessen irdisches Leben mit dem Tod endet wieder zu Gott und zu einem ewigen Leben? Indem Gott Mensch wird, stirbt und mit der Auferstehung die Todesbarriere, die Trennung überwindet. Deshalb ist Gott in Jesus Mensch geworden. Es ist bewiesen, dass Jesus lebte, bewiesen, dass er dieses Leid erlitten hat, bewiesen, dass er am Kreuz gestorben ist und bewiesen, dass er nach dem Tod wieder lebte. Das ist die Auferstehung. Und trotzdem glaubt der Mensch nicht, lebt noch immer in Sünde und weigert sich noch immer, Gottes Gebote zu achten, geschweige denn zu beten. Sein Leidensweg und Tod ist der Ruf zur Umkehr: Sündigt nicht mehr, befolgt meine Gebote. ER hat uns den Weg zu IHM geöffnet. Annehmen und an seine Worte halten, müssen wir uns schon selber. Dabei hat uns Gott selbst in seinem Leidensweg Botschaften gegeben.

Mit dem Kreuz beginnt die Prozession. Jesus wird verurteilt und nimmt sein Kreuz auf sich. An das Kreuz gebunden, die Marterwerkzeuge, mit denen Jesus gefoltert und gegeißelt wurde. Jesus starb für uns am Kreuz. Für den Menschen ist das Kreuz Heil und Segen.

Station 1: Jesus wird zum Tode verurteilt:

Es trifft mich immer mit voller Wucht. An jedem Karfreitag. „Gott, der Richter der Welt, wird von den Menschen zum Tod am Kreuz verurteilt.“ Es war die grausamste Hinrichtung, darauf ausgelegt, den Tod so qualvoll und lang wie möglich zu gestalten. Jesus wird mit Dornen gekrönt, verspottet und ausgepeitscht. Das war eine grausame Strafe, bevor Jesus ans Kreuz genagelt wurde. Zum Auspeitschen verwendeten die Soldaten ein Flagrum. Das ist eine Peitsche mit Metall- und Knochenstücken und führt zu schweren Verletzungen und enormen Blutverlust. Viele Verurteilte haben bereits das nicht überlebt. Jesus überlebte diese schweren Misshandlungen, war aber schwer verletzt und extrem geschwächt. Das reichte dem Menschen nicht.  „Zur Krönung“ seiner grausamen Hinrichtung, wurde dem „König der Juden“ noch eine Krone aufgesetzt. Aus dornigen Sträuchern wie dem Christusdorn oder dem Kreuzdorn war die Krone gebunden worden. Auch diese spitzigen Dornen, die Jesus auf den Kopf gedrückt wurde, war ein Akt der Misshandlung und Demütigung zugleich. All das, bevor er nach Golgatha geführt wurde. Das tut weh. Das ist mehr als ein Stich ins Herz.

Wir Menschen, die voller Fehler und Sünde sind, urteilen über Gott, unseren Schöpfer, der Mensch geworden und garantiert ohne Sünde ist. Doch am Schlimmsten ist, dass viele Menschen heute noch Gott verspotten und verurteilen und stolz darauf sind. Wir halten uns nicht an seine Gebote oder formen sie nach unserem Gutdünken um. Doch Jesus sagt ganz klar: Verurteilt nicht andere, damit Gott nicht euch verurteilt! Denn euer Urteil wird auf euch zurückfallen, und ihr werdet mit demselben Maß gemessen werden, das ihr bei anderen anlegt.

Die Einsetzung des Altarsakraments. Der Karfreitag ist damit der Tag der Verehrung des Leibes Christi.

Station 2 und 3: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern und bricht zusammen

Normalerweise stand der Senkrechtbalken bereits am Hinrichtungsort. Die Verurteilten mussten in der Regel „nur“ den Querbalken tragen. Dieser wog ungefähr 23 Kilogramm. Jesus hätte schwer geschunden das gesamte Kreuz tragen müssen. Gesamtgewicht: 135 Kilogramm, Höhe 2,25 Meter bis 3 Meter. Ob Jesus das ganze Kreuz tragen musste, ist nicht bekannt. Doch so schwer geschunden, war selbst der Querbalken zu schwer für ihn. Dennoch nimmt er sein Kreuz an, zeigt Gehorsam und zeigt die bedingungslose Liebe zu uns. Auch wenn es aufgrund seines geschundenen Körpers schwer wurde und er zum ersten Mal zusammenbrach.   

Station 4: Jesus begegnet seiner Mutter

Jesus schleppt sein Kreuz und sieht seine Mutter am Wegrand. Wie muss es Maria ergangen sein? Sie sieht den geschundenen Körper ihres Sohnes, sieht das Leid und den Schmerz ihres Kindes. Ein Schmerz, der sich in ihr eigenes Herz einbohrt und doch muss sie hilflos daneben stehen. Die Begegnung ist ein Zeichen der Liebe, des Mitleids und der Treue. Denn Maria bleibt in der Nähe ihres Sohnes, bleibt bis zu dessen Lebensende, während seine Jünger und andere geflüchtet sind. Es ist Gehorsam für Gottes Willen, bestärkt, das Kreuz anzunehmen, in dem Wissen, bis zum Ende einen liebenden Menschen an der Seite zu haben. Geht es uns nicht auch so? Wünschen wir uns nicht auch einen Menschen an unserer Seite, wenn es uns schlecht geht? Fühlen wir uns nicht auch oft hilflos, wenn unsere Kinder krank werden, der Partner oder wir selbst? Wenn wir schwere Schicksalsschläge erleiden und nichts tun können außer beten und hoffen? Und doch haben wir gerade in solchen Situationen oft das Gefühl, dass uns auch Gott verlassen hat oder uns im Stich lässt? Aber Gott ist die Liebe und immer da. Auch Maria liebt ihren Sohn und doch kann ihre Liebe ihn nicht retten. Aber Liebe kann erreichen, dass man bleibt, selbst wenn es noch so schwer ist.

Station 5: Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz zu tragen

Jesus ist so geschwächt, wird vom schweren Querbalken so erdrückt, dass er immer wieder fällt. Da kommt Simon von Zyrene wohl gerade von seinem Feld. Die Römer zwingen ihn, das Kreuz für Jesus zu tragen. Der Mensch hat nur dann eine Vorstellung von Leid und Schmerz, wenn es ihn selbst trifft. Und doch wird kein Mensch die unermesslichen Qualen erleiden müssen, die Jesus für uns erlitten hat. Sind wir nicht froh, wenn uns in Notsituationen oder in schweren Tagen jemand hilft? Selbst wenn er es nicht freiwillig tun wollte? Dafür steht Simon von Zyrene und diese Station ruft dazu auf, Menschen in ihrer Not zu helfen, ihr Kreuz zu tragen.

Jesus an der Geißelsäule.

Station 6: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Veronika steht ebenfalls in der Menge am Wegrand. Als sie Jesus sieht, tritt sie aus der Menge heraus und wischt ihm das blutverschmierte Gesicht ab. Jesu Antlitz blieb als Gesichtsabdruck auf dem Tuch. Es ist das „Wahre Bild“, abgeleitet von dem Namen Veronika – vera icon – das wahre Bild. Veronika steht für die Zivilcourage, für das Mitgefühl und für die Liebe, Menschen in Not zu helfen. Auch heute gibt es viele Menschen, die in Not sind. „Schaut nicht weg“, heißt diese Kreuzwegstation.

Station 7: Jesus bricht zum zweiten Mal unter dem Kreuz zusammen

Während Jesus zum zweiten Mal unter dem Kreuz zusammenbricht, johlt die Menschenmenge. Sie rufen, sie lachen, sie sind schadenfroh. Das sind die einen Menschen. Andere schauen wort- und tatenlos zu, obwohl sie das Leid sehen. Zu welchem Menschenschlag gehören wir? Freuen wir uns, wenn wir sehen, dass anderen Menschen, die man nicht so mag, Schlechtes widerfährt? Helfen wir, wenn wir Gewalt und Unrecht sehen oder schweigen wir aus Angst, von Mitmenschen verurteilt zu werden?

Jesus wird verhöhnt, als König der Juden verspottet.

Station 8: Jesus begegnet den weinenden Frauen

Auf dem Weg zu seiner Hinrichtungsstätte begegnet Jesus ein paar Frauen, die weinen. Doch selbst im größten Leid will Jesus kein Mitleid. Er ruft den Frauen zu, nicht um ihn zu weinen, sondern um ihre Kinder. Damit erlaubt er den Menschen, Schmerz und Tränen zuzulassen und auch Mitleid zu empfinden, aber vielmehr ermahnt er sie, umzukehren und sich ihrer eigenen Situation zu stellen.   

Jesus wird mit Dornen gekrönt. Damit wurde er nicht nur gemartert, sondern verspottet und gedemütigt zugleich.

Station 9: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

Jesus ist mit seinen Kräften völlig am Ende. Körperlich und psychisch. Die Last des Kreuzes erdrückt ihn. Das Kreuz steht für die Sünden der Menschheit. Auch wir haben manchmal das Gefühl, von den Sorgen, Nöten und der Schwere des Alltags erdrückt zu werden. Es gibt solche Tiefpunkte in jedermanns Leben. Jesus Kreuz zeigt uns, er leidet mit uns. Er versteht uns, kennt unseren Tiefpunkt, unsere Verzweiflung, unseren Schmerz und unsere Mutlosigkeit. Trotzdem rafft er sich wieder auf und geht weiter. Die Botschaft an uns: Wir müssen auch weitergehen, dürfen uns nicht in die Hoffnungslosigkeit gleiten lassen. Wir haben Hoffnung, es gibt einen Weg. Jesus ist unser Weg und unsere Hoffnung und mit jedem seines „Wieder Aufrichtens“ zeigt er uns diese Hoffnung, zeigt er, sein Wort gilt: Er lässt uns nicht allein.

Station 10: Jesus wird seiner Kleider beraubt

Fallen die Kleider, fällt auch die Würde eines Menschen. Ein spärlich bekleideter Mensch entblößt sich. Auch Jesus wird entblößt, ihm werden die Kleider vom Leib gerissen. Diese Entblößung sollte Jesus letzte Würde nehmen. Er wird nochmal gedemütigt, ist vor aller Menge sozial geächtet und ausgegrenzt. Doch auch das Entreißen der Kleidung verursachte Jesus Schmerz und Pein. Diese Station steht für die Opfer von Gewalt, für die sozial Geächteten, für die Menschen, die keine Würde mehr haben, weil sie erniedrigt oder unterdrückt werden.  

Jesus wird ans Kreuz genagelt und stirbt.

Station 11: Jesus wird an das Kreuz genagelt

Golgatha ist erreicht. Jesus tritt dem Höhepunkt seiner grausamen Hinrichtung entgegen: Er wird ans Kreuz genagelt. Seine Hände und Beine werden von Nägeln durchbohrt. Jesus ist wehrlos. Wie oft fühlen wir uns wehrlos und wie festgenagelt? Jesus ist das Opferlamm, das für unsere Sünden geschunden wurde. Er tat das aus bedingungsloser Liebe zu uns  Menschen und so soll uns der Leidensweg Christi dazu bewegen, dass auch wir unser Kreuz tragen, immer mit  Blick auf sein Leiden und seine Liebe.  

Station 12: Jesus stirbt am Kreuz

Jesus legt sein Leben in Gottes Hände. Auch wir werden sterben, doch wir haben die Gewissheit, nie tiefer als in Gottes Hände zu fallen.

Jesus Leichnam wird abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt. An dem Schwert in Marias Herz wird ihr Schmerz, ihre Hilflosigkeit und ihre Liebe zugleich deutlich. Sie blieb bis zu Jesus Ende.

Station 13: Jesus wird vom Kreuz abgenommen

Jesus wird vom Kreuz abgenommen und sein Leichnam in Marias Schoß gelegt. Wer ein Kind beerdigen musste, weiß, wie sich Maria fühlte. Wehrlos, hilflos, mit einem gebrochenen Herzen, voller Schmerzen und doch wusste sie von Anfang an, dass es so kommen wird.  Vor einigen Tagen habe ich im Internet einen schönen Satz gelesen, den ich für diese Situation verwenden möchte. Maria konnte ihren Sohn nicht retten. Aber das liegt daran, dass ihr Sohn gerade die Welt rettete – Dich und mich.

Station 14: Der Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt

Jesus irdisches Leiden hat ein Ende. Gott, der Richter der Welt, ist von der Welt gerichtet worden und doch musste das sein, denn nur dadurch ist unsere Trennung von Gott aufgehoben. Sollten wir dann nicht endlich aufhören, IHM diesen Leidensweg jeden Tag aufs Neue auszusetzen? Indem wir seine Gebote neu definieren und missachten, indem wir IHN verspotten oder leugnen? Und nicht nur IHN, sondern auch andere Menschen? Wir ehren seine Schöpfung nicht und erhöhen uns auf Erden gegenüber anderen Menschen und Lebewesen. Aber ER ermutigt uns selbst in seinem größten Leid, bei Unrecht nicht zu schweigen. Sprüche 31,9: „Tu deinen Mund auf, richte gerecht, verteidige das Recht der Armen und Bedürftigen!“ Dazu gehört auch das ungeborene Leben, das unter dem Gebot „Du sollst nicht töten“ Schutz hat, dazu gehört die Würde des Menschen, die auch im Alter nicht endet, wie es Menschen durch Sterbehilfe fordern. Gott ist der Herr über Leben und Tod und wie wir urteilen und verurteilen, so wird auch ER uns richten. ER ist der Richter der Welt.  ER ist aus Liebe zu uns gestorben und ER sagt immer aufs Neue: Hört auf zu sündigen.

Jesus wird ins Grab gelegt.

Enden möchte ich mit einer Fürbitte aus dem Textheft zur Karfreitagsprozession in Neunkirchen am Brand:

„Wir fürchten uns vor dem Tod. Er ist etwas Kommendes, das für uns Ungewissheit mit sich bringt. Außerdem gibt uns unser Gewissen die Frage auf: Hätte ich nicht vieles besser machen könne, nicht mehr lieben können? Wir brauchen deine Hilfe, dass du uns in der Stunde unseres Todes beistehst und unseren eigenen Tod bereitwillig annehmen hilfst.

Fotos und Text: Frankengedanken / Petra Malbrich

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