MCS: Womit waschen, worauf schlafen – wenn alles zur Qual wird

Teil 1

Kleidung, Bettdecke und Bettwäsche:

Erst Augenjucken, dann Husten. Manchmal nur Husten und schweres Atmen. Heuschnupfen ist es nicht. Irgendetwas, das unverträgliche Stoffe freisetzt, ist in der Wohnung. Spätestens bei der sich aufbauenden Atemnot geht die Suche los. Eine Suche, die der nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen gleicht, denn der nicht verträgliche Stoff ist meist geruchlos.

In diesem Fall handelte es sich um eine Decke, Bio- Baumwolle. Die hatte ich als Geschenk gekauft und sie, noch in Folie umwickelt auf die Bank gelegt, um die Decke später als Geschenk zu verpacken.

Diese Entdeckung, dass selbst Bio-Baumwolle kba (kontrolliert biologischer Anbau) zu den gefürchteten Symptomen führt, hat mich dann doch schockiert, war doch Bio-Baumwolle kba eine der wenigen Stoffe, die für MCS Kranke verträglich sind. Für die Menschen, die diese Rohbaumwolle verarbeiten, ist es gesundheitsgefährdend. Aber für den Endverbraucher? Eigentlich unbedenklich. Und doch in diesem Fall nicht.

Was also war passiert? Wahrscheinlich eine Reaktion auf die Farbrückstände durch das Färben der Baumwolle. Beim Färben können durchaus schädliche Chemikalien eingesetzt werden und somit Schwermetalle wie Cadmium oder Blei enthalten.

Bio-Baumwolle ist NICHT gleich schadstofffrei. Wer sicher sein will, muss auch darauf achten, dass die komplette Decke GOTS (Global Organic Textile Standard) zertifiziert ist. Das ist ein Ökosiegel und bedeutet, dass vom Anbau der Baumwolle bis zum Endprodukt die Herstellung streng kontrolliert wird und auf Schadstoffe verzichtet wird.

Öko Tex zertifiziert reicht ebenfalls nicht aus, vor allem nicht, wenn die Decken den „Hotelstandards“ genügt. Das Traurige ist, dass die Behandlung der zertifizierten Textilie, um eine gewünschte Eigenschaft zu erhalten, NACH der Zertifizierung geschehen darf.

Die Verbraucherzentrale Hessen beispielsweise zeigt in einem Artikel auf, dass für die Herstellung und Veredelung von Textilien zwar Verbote und Grenzwerte bestehen, diese aber nicht kontrolliert werden müssen. (1)

Zum anderen ist weiterhin erlaubt, die Textilien „auszurüsten“, heißt sie zu behandeln, dass sie knitterfrei sind oder wasser- und schmutzabweisend oder „kuschelweicht“ sind oder Krankheitserreger gehemmt werden.

Das wiederum bedeutet, PFAS, Biozide oder Mittel mit Formaldehydharzen weiterhin erlaubt sind, um die Textilien für die gewünschten Eigenschaften zu behandeln. Und diese Stoffe sind nicht unbedenklich, sondern schädlich, dunsten aus und gerade bei Bettwäsche werden diese Stoffe mit jedem Atemzug eingeatmet.

Dass man Kleidung, Bettwäsche und Vorhänge vor dem Gebrauch waschen soll, ist eigentlich selbstverständlich. Für Chemikaliensensible reicht das nicht aus.

Ein Extra-Kapitel ist der Hinweis auf das angebliche Prädikat „schwer entflammbar oder Flammschutz“. Dahinter versteckt sich die Behandlung mit halogen- oder phosphorhaltigen Flammschutzmitteln.  Gerade Hotelbettwäsche, aber auch normale Bettwäsche, Vorhänge und Tischdecken sind oft so behandelt, dass sie schwer entflammbar sind. Nicht dass jemand im raucht und einschläft und die Zigarette das Haus in Brand setzt. Sollte es doch brennen, können sich die hochgiftigen Dioxine bilden.

Wer relativ gut, schadstoff- und symptomfrei schlafen möchte, sollte auf Textilien, Decken und Bettdecken mit der Auszeichnung  100 prozentigen Bio-Baumwolle GOTS zertifiziert achten. Diese sind oft fünf Mal so teuer wie normale Bettwäsche und selbst diese muss mehrmals gewaschen werden, bevor sie benutzt werden kann.

Ich fahre gut mit einer Bettdecke aus 100 Prozent Bio-Baumwolle GOTS zertifiziert und ebenfalls mit dieser Baumwolle gefüllt.

Noch besser, da strenger und nur Naturfasern zugelassen, ist das Siegel Naturtextil INV zertifiziert Best.

(1): https://www.verbraucherzentrale-hessen.de/plastiksparen/wasserabweisend-knitterfrei-co-das-steckt-hinter-den-auslobungen-in-textilien-93773

Text: Frankengedanken / Petra Malbrich

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