
Noch ist die Tasse Kaffee der erste Griff,
doch der Blick aufs Handy gibt den Schliff.
Stets erreichbar, an jedem Tag.
Lautet das Credo, ganz ungefragt.
Es spart Zeit und somit viel Geld,
willkommen in der digitalen Welt.
Bei der Arbeit ist es nicht mehr wegzudenken,
die Geschicke von überall aus zu lenken,
die Geschäfte jederzeit in Gang zu bringen,
warum noch reden und Phrasen schwingen?
Reden ohne Worte kann nur ein Held,
willkommen in der digitalen Welt.
Der Mensch ist nicht nur für die Arbeit gedacht,
es gibt auch Pausen und Freizeit bis in die Nacht.
Und auch dafür hat das Handy genug Platz,
mit unzähligen Spielen, ein wahrer Schatz.
Die Stimmung wird per Display erhellt,
willkommen in der digitalen Welt.
Dort gibt es weder Neid noch Streit,
zugleich bannt es die Einsamkeit.
Gespräche mit der Familie können entfallen,
das bringt des Zockers Herz zum Wallen.
Endlich ist man nur auf sich gestellt,
willkommen in der digitalen Welt.
Dort trifft man wenigstens Gleichgesinnte,
sitzt bequem und ohne Finte.
Kann über seine Zeit frei verfügen,
das ist das wirkliche Vergnügen.
Austausch wie gewünscht und bestellt,
willkommen in der digitalen Welt.
Doch irgendwann führt es zum Exzess,
der digitale Zeitvertreib zum Dauerstress.
Die Stimmung rauscht ins Allseitstief,
von aktiv zu passiv und sehr naiv.
Das Spiegelbild schaut sehr entstellt,
willkommen in der digitalen Welt.
Die Glieder schmerzen, der Kopf brummt,
alles um einen herum verstummt.
Wo ist das fröhliche Kinderlachen?
Wo die Spiele, die gute Laune entfachen?
Die Illusion wie Porzellan zerschellt,
willkommen in der digitalen Welt.
Der Aufprall ist nochmal gut gegangen,
um gleich wieder nach dem Handy zu verlangen,
Doch Stimmung und Geist wollen versagen,
stattdessen hört man nur noch innere Klagen.
Man fühlt sich rundherum geprellt.
Das ist die Folge der digitalen Welt.
© Frankengedanken
