Insektenhotel und Sandarium

Insektenhotel und Sandarium mit Eidechsenburg im Markt Hiltpoltstein, unter Mitwirkung der Grundschule entsanden.

Ihr habt ein schönes Insektenhotel im Garten und ihr glaubt damit den Bienen geholfen zu haben? Eher nicht. Aus zwei Gründen.

Mit Bienen verbinden die meisten Menschen die bekannte Honigbiene. Diese war vom Aussterben nie bedroht. Bei dem Volksbegehren ging es um die bedrohten Wildbienen und für diese sind auch die Insektenhotels primär gedacht.

Aber die Wildbienen sind speziell und das ist auch der Grund, warum ein Insektenhotel wenig Hilfe bringt, wenn nicht auch das Blumenumfeld entsprechend ist.

Die Wildbienen sind auf bestimmte Pflanzen spezialisiert. Ist die Wildbiene auf Schlüsselblumen spezialisiert, braucht sie Schlüsselblumen. Wenn sie die Blumen nicht vorfinden, verschwinden die Wildbienen. Bei dem Insektenhotel, das der Markt Hiltpoltstein gemeinsam mit dem Landkreis und den Grundschülern bestückt haben, wachsen viele der Wild- und Wiesenblumen. Die Flockenblume beispielsweise blüht noch in herrlichem Violett. Auch Schmetterlinge werden davon angezogen.

Flockenblumen, die auch von den Schmetterlingen geliebt werden.

Da eine Wildbiene nur in einem Umkreis von 300 Metern fliegt, braucht die Wildbiene ihre Pflanzen in nächster Nähe. Ein Insektenhotel im Garten, ohne die notwendigen Blumen, bringt nichts, denn auf die Wiese, die 800 Meter oder weiter entfernt ist, wird die Wildbiene nicht fliegen.

580 Wildbienenarten gibt es in Deutschland. 20 bis 30 Wildbienenarten leben in Löchern, die anderen Wildbienenarten im Boden. Gerade die Mauerbiene wird die Bambusröhrchen besetzen. Dort fühlt sie sich wohl.

Wir hatten uns eine Schilfmatte gekauft, um ein Zaunteil damit freundlicher zu gestalten. Die Schilfmatte haben wir gerollt auf die Mauer gelegt, bis sie verarbeitet werden sollte. Sie liegt nun schon seit Jahren dort, weil die Wildbienen dort ihre Wohnungen gebaut haben und wir diese nicht entfernen wollen.

AUFGEPASST: Allerdings gibt es auch bei den mit Bambusrohren bestückten Kästen etwas zu beachten:

Die Löcher müssen eine bestimmte Größe haben. Um den Wildbienen Unterschlupf zu gewährleisten, braucht es Löcher, die zwischen 2 und 9 Millimeter breit und zwischen 10  und 14 Zentimeter tief sind.

Auch bei den Bambusrohren muss aufgepasst werden. Die Rohre dürfen nicht rau sein und die Kästen müssen hinten geschlossen sein. Sind die Rohre rau, verletzen sich die Wildbienen an den Flügeln.

Mit einem Drahtgitter müssen die Wohnungen abgesichert werden, damit sich der Specht nicht bedienen kann. Auch die Fledermäuse würden gerne einen Snack für Zwischendurch naschen. Deshalb das Hotel mit Drahtgitter verschließen.

Für die 70 Prozent der anderen Wildbienensorten leistet ein Sandarium gute Hilfe.

Hier wurden einfach ein paar Tothölzer aus der Umgebung unten am Insektenhotel aufgebaut. Als Grund wurde Sand benutzt, auch die Totholzhaufen mit Sand beworfen und dieser Sand aufgeschüttet.

AUFGEPASST: Nicht jeder Sand ist dazu geeignet. Es darf weder ein Quarzsand, noch ein Sand für den Sandkasten verwendet werden. Dieser Sand ist zu leicht, eine Rohre würde einbrechen.

Es braucht ungewaschenen Maurersand oder Reitsand. Ein Trick hilft zu erkennen, ob es der richtige Sand ist. Aus dem feuchten Sand muss man eine Kugel formen können, die fest ist und bleibt. Denn der Sand darf nicht einbrechen, sonst werden die Röhren, die sich die Wildbienen bauen, also deren Wohnungen, verschüttet.

Warum den Wildbienen helfen?

Zu den heimischen Wildbienenarten zählen die Hummeln, die Sand- oder Mauerbienen. Mehr als die Hälfte der über 500 heimischen Wildbienenarten ist auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft oder bereits ausgestorben. Pestizide, Versiegelung und FUTTERMANGEL sind die Gründe.

Welche Pflanzen brauchen die Wildbienen?

Frühblühende Gehölze und heimische Wildpflanzen mit ungefüllten Blüten sind für Hummeln, Mauerbienen und Sandbienen lebenswichtig. Für die Hummeln, die ganz früh fast noch im Winter fliegen, sind die Lippenblütler wichtig. Die Krokusse und das Lungenkraut. Das vermehrt sich zwar sehr stark, aber ist wichtig und auch für den Menschen heilkräftig. Die Salweide, die Obstbäume, die Schlehe oder Wildkirsche beispielsweise sind ebenfalls nicht nur für die Wildbienen wichtig, auch Vögel naschen davon, nicht von den Pollen, aber vom Obst.

Ein Leckerbissen ist der Natterkopf, das ist eine blaufarbige Blume, nicht invasiv. Aber sie ist absolut überlebenswichtig, gilt sie doch als eine der besten Bienen- und Schmetterlingsweiden. Glockenblumen, Fingerhut, Lupinen und echter Beinwell sind ebenfalls sehr begehrt und wichtig. Der Beinwell ist ebenfalls sehr vermehrungsfreudig.

Wer kein Insektenhotel bauen kann, findet sicher einen Platz für ein paar Totholzäste und den richtigen Sand, für ein Sandarium mit den richtigen Pflanzen drum herum. Jede Wildbiene zählt. Zwar sind auch Honigbienen Bestäuber, aber die Wildbienen sind die zäheren, fliegen auch wenn das Wetter kühler ist.

Und: Tomaten oder Blaubeeren sind auf die „wilden“ Bestäuber angewiesen. Sie brauchen die Hummeln.

Fotos und Text: Frankengedanken / Petra Malbrich

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