Mobbing

Schweigen ist falsche Loyalität. Es schützt die Täter. Rede! Gib Mobbing keine Chance!

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Schweigen ist falsche Loyalität. Es schützt die Täter. Rede! Gib Mobbing keine Chance!

Vielen fällt das schwer, wird man doch sofort als „Petze“ bezeichnet.  Das ist es jedoch nicht. Unrecht auszusprechen und anzuprangern, ist gleichzusetzen mit Hilfe holen. Mit der Beschimpfung eine Petze zu sein, werden die Täter geschützt, obwohl deren Handlung Unrecht war, obwohl sie sich gegen Regeln hinwegsetzen und somit Gemeinschaft negativ wird.

Petzen im eigentlichen Sinne ist eher Kleinigkeiten zu verraten, um einen eigenen Vorteil zu erreichen und anderen zu schaden. Das Reden, das „Petzen“ in Mobbingfällen, ist das Gegenteil: Es soll jemanden schützen und im besten Falle sich selbst.  Die Namen der Fälle sind geändert.

Situation 1: Sobald Daniel das Büro betritt, verstummen die Gespräche. Sein Gruß wird selten gehört, manchmal wird es ironisch erwidert, wobei die Kollegin dem Kollegen verschwörerisch zuzwinkert. Sobald Daniel in seinem Bürobereich angekommen ist, hört er wieder lebhafte Gespräche und ein lautes Lachen. Dass es ihm galt, wusste er.

Bevor der neue Kollege ins Team kam, war das anders. Seitdem wird Daniel nicht mehr gefragt, ob er einen Kaffee mittrinken möchte und wenn er von sich aus in die Kaffeeküche geht, um sich nicht auszuschließen, nehmen alle eilig Reißaus, schließlich lag viel Arbeit herum.

Als der Chef Daniel auf das vergiftete Arbeitsklima ansprach und Daniel von diesem stillen Mobbing erzählte, meinte der Chef nur kurz, dass die anderen ihn schon informiert hätten, dass Daniel derzeit wohl private Probleme hätte, obwohl das nicht stimmte. Er riet Daniel, diese zu beheben, damit wieder Frieden im Betrieb einkehren könne. Daniel hatte keine Chance, sich zu wehren und diese Aussagen als Lügen zu definieren.

Situation 2: Judith hatte ein gutes Verhältnis zu ihren Arbeitskollegen und zu den Kunden. Vor allem war Judith bekannt, sich nicht von anderen aufhetzen zu lassen. Als Christin wollte sie über andere nicht schlecht reden, vor allem nicht über Kunden, die den Laden gerade wieder verlassen hatten. Jeder hatte seine Macken und immerhin bezahlten die Kunden ihre Arbeit. Doch diese Einstellung war nicht gerne gesehen.

Als Loyal gilt, wer Mitläufer wird. Gerade Vanessa war Judiths Verhalten ein Dorn im Auge. Da sie ranghöher war, überschwemmte sie Judith mit Arbeit, die sie selbst nicht erledigen wollte. Judith, die gerne aushalf, weigerte sich irgendwann, Vanessas Sonderarbeiten auszuführen. Zumal Judith nicht zu Vanessas Team gehörte.

Wenige Tage später hörte Judith immer öfter den Vorwurf, faul zu sein und sich nur „die Rosinen aus dem Kuchen zu picken“. Zwar hatte sie nach wie vor ein gutes Verhältnis zu den anderen Kolleginnen und doch war etwas anders. Wenn Vanessa ins Geschäft kam, begrüßte sie alle Kollegen mit Umarmung, lobte deren kreative Ideen die Schaufenster zu dekorieren. War Judith allein im Geschäft, ignorierte Vanessa Judith.

Waren die anderen Kolleginnen und die oberste Vorgesetze in der Nähe, dann lief Vanessa absichtlich zu Judith, um sie überschwänglich zu begrüßen. So sahen alle nur, wie mürrisch und ablehnend Judith reagierte. Mit einer Intrige – dem unberechtigten Vorwurf, zu faul zu sein – hatte Vanessas Mobbing gegenüber Judith begonnen.

Situation 3: Ganz geschäftig werkelt Herbert im Garten. In dem Bereich, in dem er die beste Sicht auf seine Nachbarn hatte. Er hatte alles im Blick, sah, wer dort ein- und ausging. Was er nicht sehen konnte, sahen die Kameras, die er überall platziert hatte. Freilich nur, um sich zu schützen, so seine Aussage.

Doch die Kameras waren so hoch angebracht, dass sie sogar die Straße im Visier hatten. Sonntags war Herbert besonders geschäftig. Da musste er dann auch mal früh um sieben schon arbeiten, aber so, dass es jeder hörte. Immerhin zeigte er so jedem, wie fleißig er war. Er grüßte auch immer und freute sich über jedes kleine Gespräch. Freilich war es reiner Zufall, dass das Gespräch auf andere Bewohner kam, über die er dann Negatives berichten konnte. Die anderen Nachbarn nahmen die Gespräche dankbar an und verbreiteten Gerüchte und Lügen ungefiltert weiter. Dass mit den von schlecht geredeten Bewohnern keiner mehr Kontakt haben wollten, war eine Bestätigung und Verstärkung für Herberts Erzählungen.

Stilles Mobbing 

Es gibt verschiedene Arten von Mobbing. Nicht immer bringt man Situationen damit in Verbindung. Das eine oder andere habt ihr sicher selbst schon erlebt, manches auch erzählt bekommen.  Manche denken, so schlimm sei das nicht. Aber es ist für den Betroffenen schlimm. Es ist und bleibt Mobbing.

Besonders verletzend ist das stille Mobbing, wie in den Beispielen, denn es geschieht lautlos, fast unbemerkt und gerade deshalb ist es noch hinterhältiger, lässt es doch das Opfer so dastehen, als wäre er oder sie ein Mensch, der einfach nur zu nah am Wasser gebaut hat, der zu dünnhäutig ist oder die Dinge zu ernst nimmt. Im schlimmsten Fall zweifelt das Opfer an seiner Wahrnehmung. Nichts davon trifft jedoch zu.

Was diese Mobber alle wissen ist, dass es keinen Straftatbestand Mobbing gibt. Aber es gibt üble Nachrede, Beleidigung, Nötigung, Lärmbelästigung, Hausfriedensbruch uvm.

Dagegen kann man sich wehren und zivilrechtlich klagen, indem man sich auf die allgemeinen Persönlichkeitsrechte beruft.

Welche Menschen sind Mobber?

Meist sind es Menschen, die mit sich und ihrem Leben unzufrieden sind, die neidisch und missgünstig sind. Sie wollen sich besser fühlen und Macht ausüben. Manche sind auch von klein auf sehr verzogen, sind es gewohnt, dass alles läuft, wie sie es wünschen und üben dann Rache, denn Widersprüche dulden sie nicht, Frustrationstoleranz kennen sie nicht und Empathie fehlt manchen Menschen ebenso. Das ist auch ein Merkmal von Mobbern. Sie merken nicht, wie sehr sie andere verletzen. Wenn Mobber gewalttätig werden, hole Hilfe.

Was würde Jesus tun? Was sagt die Bibel zu Mobbing?

Hätte Jesus gehandelt? Hatte Jesus nicht gesagt: „Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die linke hin?“

Ja, das hatte er gesagt, in seiner Bergpredigt. Oft wird das fehlinterpretiert, dass man still leiden und schweigen soll.

So hatte er das aber nicht gemeint.

Jesus hat jedes Unrecht benannt. Er würde die Mobber zur Rede stellen, würde die Täter direkt ansprechen. Er hat die Verleumdung benannt, hat die Täter mit ihrer bösen Tat konfrontiert und er hatte die Täter zur Umkehr aufgefordert, hatte sie ermahnt, diese bösartigen Verhaltensweisen sein zu lassen. Wenn sie Einsicht zeigten, hatte er vergeben.

Jesus hat sich zu den Schwachen gestellt, zu den Opfern. Und heißt es in der Bibel nicht, dass  man es nicht mit gleicher Münze heimzahlen  solle?

Das stimmt. Das ist zum eigenen Schutz, um nicht selbst zum Täter zu werden und Unrecht zu tun. Den Missbrauch nicht ertragen, sondern Hilfe holen, das Unrecht benennen und auf Gottes Gerechtigkeit vertrauen.

Was hat es nun damit zu tun, die andere Wange hinzuhalten?

Der Schlag auf die rechte Wange geschah damals mit der rechten Rückhand und diente dazu, den meist gesellschaftlich Niedrigen zu demütigen. Würde man nun die linke Wange hinhalten, könnte nicht mehr mit der rechten Rückhand von oben herab geschlagen werden, sondern mit der flachen Hand. So allerdings behandelte man Gleichgestellte.

Hält man nun dem Täter die andere, die linke Wange hin, konnte dieser nicht demütigen. Das war der Akt des friedlichen und gewaltfreien Widerstands und deckte den Täter auf.

Wie könnte man heute die linke Wange hinhalten?

Wenn Vanessa wieder überschwänglich freundlich Judith begrüßt, könnte Judith sagen: „Guten Morgen Vanessa. Schön, dass du mich siehst, wenn andere dabei sind. Aber verwunderlich, warum du mich übersiehst, wenn wir beide allein sind.“

Wenn Vanessa Judith wieder mit Arbeiten zuschüttet, die nicht zu Judiths Aufgaben gehören, könnte Judith sagen: „Ich weiß, dass du das nur machst, um mich vor den anderen als faul abzustempeln. Was willst du damit eigentlich bezwecken? Falls nichts, dann tut es mir leid, dass du andere schlecht machen musst, um dich besser zu machen. Aber ich bin nicht dein Fußabstreifer!“

Man könnte auch einfach sagen, dass das Gesagte oder Getane verletzend war und oder Lügen waren, wie bei Daniel, der keine privaten Probleme hatte. Das wurde ihm nur untergeschoben, damit das Mobbing besser funktionierte. Ansprechen und gehen.

Oder man nimmt dem Angreifer den Wind aus den Segeln. Wenn beispielsweise Äußerlichkeiten kritisiert werden, stimmt man zu und könnte sagen „Ja, du hast recht, ich habe schönere Jacken, Hosen oder Pullis…. „

Wirkungsvoll ist auch, die Zeugen mit einzubeziehen. „Habt ihr das gehört? Habt ihr das mitbekommen?“

Du kannst auch sagen: „Ich schlage nicht zurück. Aber ich verstecke mich auch nicht vor dir.“

Trau dich! Sprich es an. Laut und gleich in der Situation. Trau dich. Denn egal, was passiert: Du bist nie allein. Gott ist immer bei dir und er gibt dir die Kraft. Trau dich. Denn Mobber wollen, dass man verzagt, weint oder Angst hat.

Und falls du wissen möchtest, wo in der Bibel von Mobbing die Rede ist, dann lies hier.

Joseph beispielsweise wurde von seinen Brüdern gemobbt und Jesus selbst auch, als er vor dem Hohen Rat stand….

In der Bibel wird solches Verhalten nicht als Mobbing bezeichnet, es wird beim Namen genannt: Schikane, Verleumdung oder Ausgrenzung….

Text: Frankengedanken

Foto mit KI bearbeitet


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