Versprochen ist versprochen?

Mit KI bearbeitet

Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen. Diese und ähnliche Sprüche, Versprechen und Schwüre, kennen wir aus der Kindheit. Und deshalb wissen wir genau, dass viele Versprechen nicht gehalten werden (können).

Das liegt zum einen an der menschlichen Wankelmütigkeit, zum anderen an der menschlichen Ohnmacht.

Wir Menschen ändern unsere Gefühle, unsere Einstellungen und somit unsere Prioritäten. Manchmal geben wir leichtfertig ein Versprechen, weil wir die Person nicht enttäuschen möchten. Oder wir versprechen, bei einer Wanderung bestimmt dabei zu sein, weil das in geselliger Runde vereinbart wurde und wir den anderen nicht nachstehen wollten. Soweit so gut. Und doch fehlt uns eine wichtige Komponente, die wir nicht beeinflussen können.

Wir haben nicht die Macht, alles umzusetzen, unsere Versprechen zu halten.

Wir können nicht wie versprochen pünktlich am Bahnhof sein, um einen uns wichtigen Menschen abzuholen, wenn aufgrund eines Unfalls Stau ist und uns das in Zeitnot bringt. Wenn wir krank im Bett liegen, können wir ebenfalls nicht weg, können wir den Geburtstag nicht mitfeiern, auch wenn wir es versprochen haben. Oder wir haben uns mit Bekannten so im Streit, fühlen uns ausgenutzt oder hintergangen, dass wir kein Bedürfnis mehr nach einem versprochenen Treffen verspüren.

Es gibt viele solcher Beispiele. Völlig sinnlos ist es, ein Versprechen unbedingt halten zu wollen, wenn man dafür Geld ausgeben muss, das man gerade nicht hat.

Menschen wollen gefallen, wollen Streit und Konflikte vermeiden. Deshalb geben sie leichtfertig Versprechen. Ein Versprechen zu geben, wirkt zuverlässig und ehrlich und wer möchte nicht diese guten Eigenschaften zugeschrieben bekommen?

Leider ist es auch so, dass man Versprechen vergisst oder es nicht als dramatisch betrachtet, sie mal nicht einzuhalten. Es ist auch eine Sache der Einstellung, die sich bei Menschen doch immer wieder ändert.

Manche Versprechen werden gegeben, weil man sich in die Enge gedrängt fühlt, weil man nicht Nein sagen kann, weil man erpresst wird oder schlichtweg jemanden schützen möchte.

Selbst wenn die meisten Versprechen ehrlich gemeint waren und aus gutem Vorsatz heraus entstand, wird oft gerade dieses Versprechen nicht gehalten. Weil der Mensch vieles nicht in der Hand hat.

Aber hat nicht gerade Jesus gesagt, dass man sein Wort halten muss?

Jesus sagte: „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.“ (Matthäus 5,37).

Jesus fordert den Menschen auf, wahrhaftig zu sein, zu seinem Wort zu stehen. Freilich weiß Jesus, dass wir ohnmächtig sind, dass wir keine Macht haben, Versprechen zu garantieren. „Auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören, denn du kannst nicht ein einziges Haar weiß oder schwarz machen“, sagt Jesus in Matthäus 5,36.

Er mahnt uns damit, sagt uns, dass wir überhaupt nicht schwören oder versprechen sollen. ER hat die einzige Kontrolle über alles, nicht der Mensch. Kein einziger Mensch. Für Jesus zeigt das Anmaßung und Selbsttäuschung. Denn ohne dass ER es will, können wir gar nichts.

Letztendlich fordert Jesus uns mit diesen Worten auf, einfach nur ehrlich zu sein. Zugleich schützt er uns, denn wir müssen uns nicht unter Druck setzen lassen, um zu schwören oder Versprechen zu geben. Wir müssen uns nicht beweisen.

Allerdings gilt es als Sünde, das Eheversprechen zu brechen. Warum? Müsste das dann nicht auch egal sein, weil der Mensch einem Menschen verspricht treu zu sein, in guten und schlechten Zeiten zum Partner zu halten?

Warum ist das Eheversprechen die Ausnahme?

Dafür gibt es zwei Gründe, warum sich dieses Versprechen von den anderen unterscheidet.  

Alle anderen Versprechen, die der Mensch gibt, basieren auf Gefühlen, wurden aus dem Gefühl und der gefühlten Situation heraus entstanden. Zwar ist Liebe ein Gefühl, das Eheversprechen basiert jedoch auf dem Willen, zu der Entscheidung zu stehen. Egal, was passiert. Was alles passiert, haben wir nicht unbedingt in der Hand. Aber den Willen, trotzdem zu unserer Entscheidung zu stehen.

Der andere Grund ist, dass das Versprechen nicht von Mensch zu Mensch gegeben wurde, sondern dieser Bund vor Gott besiegelt wurde und es unter Gottes Schutz steht. Egal, was passiert, was wir nicht beeinflussen können. Gott kann es, er kann uns die Kraft geben, zu unserer Entscheidung zu stehen.

Und deshalb ist es ein Gebot. Gebote sind zu unserem Schutz.

Wer das allerdings nicht so betrachtet, sondern glaubt, die Zukunft selbst steuern zu können,  trägt dazu bei, dass genau diese Enttäuschung und Verletzung folgen.

Text: Frankengedanken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert