Motorraddemo Fränkische Schweiz für Entstigmatisierung von Depressionen

Es wird laut, sehr laut, am Samstag, dem 19. September 2026, denn gut 100 Motorräder fahren durch die Fränkische Schweiz, auch durch Gräfenberg. Mit dieser Motorraddemo, der Fellows Ride, wollen die Fahrer auf ein bestimmtes Thema aufmerksam machen: Auf die Krankheit Depression und zugleich ist diese Demo ein Werben für eine Entstigmatisierung dieser Krankheit. Denn noch immer werden an Depressionen Erkrankte oft als Drückeberger betrachtet. Nicht nur Erwachsene, sondern viele Kinder und Jugendliche leiden bereits an Depressionen. Nicht zuletzt das Mobbing ist oft Beginn von Depressionen.
„Kinder leiden unter Schulmobbing“, erklärt Thomas Vogel, ein Fellow Rider. Oft sei es so, dass die Kinder und Jugendlichen niemanden zum Reden haben und oft würde sich nichts ändern. Die Schulen wollen von Mobbing nichts hören, sie wollen eine weiße Weste zeigen und die übliche Mobbingaufklärung erreicht die Täter nicht. Die Eltern fühlen sich meist hilflos und fürchten eine Verschlimmerung des Mobbings, sofern sie das bekannt geben.
Doch in den Kindern und Jugendlichen entwickelt sich etwas: „Sie leiden ein Leben lang unter dem Mobbing und werden sich auch im Beruf ducken“, sagt Vogel. „Manche merken das nicht mehr, für sie ist es normal geworden, sich als Loser zu fühlen.“ Der Teufelskreis beginnt.
Irgendwann können sie nicht mehr, werden krank und werden krankgeschrieben. Bei den Mitschülern und Kollegen oder der Bevölkerung gelten sie als Drückeberger und werden wieder gemobbt.
Doch: „Diesen Menschen bleiben Wunden und die Wunden werden zu Narben. Das ist die Schussverletzung der Seele. Die sieht man aber nicht“, betont Vogel.
Bei dieser Motorraddemo werden auch Spenden gesammelt. Beim Start in Bamberg, in Betzenstein bei der Pause und am Paradeplatz in Forchheim, wenn die Fahrt zu Ende ist. Mit dem Geld wird bei der Fränkischen Schweiz Fahrt der Verein „Irrsinnig Menschlich e.V.“ unterstützt. Das ist ein Verein, der mit seinen Leuten Schulen besucht, mit den Betroffenen redet, ihnen so eine Erste Hilfe gibt und auch Selbsthilfegruppen benennt, denn die Warteliste für einen Therapieplatz ist lang und diese Plätze sind rar.
Die Mobbingopfer müssen zur Therapie. Die Täter? Machen weiter. Nach der Schule im Beruf.
Doch auch die Fellow Riders freuen sich über Spenden, denn auch sie helfen direkt. Zusammen mit der Uni Würzburg haben sie den „Ersthelferkurs für mentale Gesundheit“ entwickelt. Ähnlich dem Erste Hilfe Kurs für Führerschein werden dort „Bewusstseinswecker“, Erste Hilfe für Mobbingopfer ausgebildet. Auch sie gehen in die Schulen, sind den Schülern Ansprechpartner. Vor allem merken sie durch diese Ein-Tages-Schulung, wer sich im Bekanntenkreis verändert hat und können abfangen, bevor Schlimmeres passiert.
Der Gründer von Fellows Ride hat wie alle anderen Demoteilnehmer entweder selbst Depressionen oder von der Krankheit Betroffene im Bekanntenkreis. „Wir sind Gleichgesinnte“, sagt Vogel. Auch „Blue Knights“, schwere Jungs, aus dem Zoll, der Polizei oder der Justiz fahren mit. Auch in der Berufsgruppe gibt es Depressive. Ein Beamter hatte sich erschossen. Depressionen überfallen den Menschen, oft haben sie mit Mobbing ein Einfallstor.
Der Sohn des Gründers war schwer an Depressionen erkrankt und hat sich das Leben genommen. Der Gründer hat sich dann in seiner Trauer aufs Motorrad gesetzt und ist um die Welt gefahren. In Australien hat er dann die „Black Dog Ride“ kennengelernt. Depressionen sind wie „schwarze Hunde“. Mal klein und man kann damit irgendwie leben, doch manchmal, mittendrin, wenn man beim Aufwachen noch voller Ideen und Tatendrang war, überfällt einen der große schwarze Hund. Er drückt ins Bett zurück. Er lässt den Betroffenen mit bleischweren Gliedern zurück. Die Depressionen haben die Oberhand, der Erkrankte ist nicht in der Lage seine Vorsätze auch nur annähernd umzusetzen.
Die Australier unterstützen mit ihrer Demo Projekte zur Entspannung führen können.
Auch in ganz Deutschland und bereits über die Landesgrenze hinaus setzt sich Fellows Ride ebenfalls für Betroffene ein und sammelt, um ihnen zumindest Erste Hilfe geben zu können.
Wer spenden möchte, einfach zur Homepage klicken oder für dieses Projekt auf die Seite von „Irrsinnig Menschlich e.V.“
Deutschlandweit wird die Zahl der an Depressionen Erkrankten laut Gesundheitsatlas Deutschland der AOK mit 9,5 Millionen beziffert, jährlich erkranken nach Angaben der Deutschen Depressionshilfen 5,3 Millionen Erwachsene neu an der Krankheit. Nicht alle nehmen sich das Leben.
„Jeder, der sich umbringt, ist einer zu viel. Hinter einem Toten stehen mindestens 100 Betroffene“ sagt Vogel.
Depressionen zählen inzwischen als Volkskrankheit.
Text: Frankengedanken
Foto KI
