Teil 2 des kleinen Ausflugs in die Geschichte der Schokolade

Wer genießt es nicht, zu einem Buch oder einem spannenden Film eine Tafel Schokolade zu naschen? Die Geschmacksvielfalt kennt keine Grenzen und so kommt jeder Liebhaber bei der reichen Schokoladenauswahl auf seinen Genuss. Apropos Liebhaber – selbst der berüchtigte Casanova liebte Schokolade mehr als Champagner und nutzte sie als Liebestrank. Schokolade wurde früher nicht gegessen, sie wurde getrunken und würde heuer nicht geschluckt, sondern wieder ausgespuckt werden.
Schokolade schmeckte ölig, sandig, bitter und scharf und wurde ohne Milch hergestellt. Es war eigentlich kein Naschwerk, sondern Arznei, um noch bitterere Medizin ein wenig schmackhafter zu machen und schlägt hier die Brücke zwischen den beiden Handwerken: Mediziner und Pfefferküchler.
Die Arzneischokolade
Viele Menschen litten im 18. und 19. Jahrhundert an Unterernährung. Das war oft die Folge von Tuberkulose, Durchfall und hohem Fieber. Medizin, wie wir sie kannten, gab es nicht. Aber Kakao und somit Schokolade, was damals das kalorien- und nährstoffreichste Lebensmittel war. Kaum vorstellbar.
Die Ärzte verschrieben die Schokolade den Kranken und Schwachen, um wieder auf die Beine zu kommen. Damit die Schokolade heilkräftiger wurde, mischten die Apotheker Heilmittel bei. Den Eichelkakao beispielsweise, da dieses Gemisch aus Kakao und Eichelmehl aufgrund der vielen Gerbstoffe beispielsweise gegen Durchfall half. Auch gegen Melancholie oder Depressionen wurde Schokolade verschrieben.
Nicht zuletzt war die Schokolade ein gewisser Glücksfall, um unerträglich schmeckende, besonders bittere Medizin gegen Malaria oder als Wurmmittel für Kinder einigermaßen geschmacklich zu überdecken. So goss der Apotheker die Medizin einfach in Schokotaler oder formte aus der Kakaomasse Schokokugeln, damit die Kinder ihre Medizin schluckten.
Zusätzlich mischten die Apotheker Zimt, Gewürznelken, Muskatnuss, Kardamom, Anis und echten schwarzer Pfeffer – edle Gewürze genannt- in die als kalt geltende Schokolade hinein. Aufgrund der „Säftelehre“ glaubten sie, mit den als heiß und warm geltenden Gewürzen vor Magen- und Verdauungsbeschwerden zu schützen und zugleich die Medizin schmackhafter zu machen. Zusätzlich mischten sie medizinische Heilstoffe bei. Chinarinde gegen Malaria, Eisenpulver gegen Blutarmut beispielsweise oder Isländisches Moos gegen starken Husten.
Exakt dieselben Gewürze wurden zusammengefasst als „Pfeffer“ bezeichnet und für die Herstellung von Lebkuchen verwendet. Zwar waren es die Mönche, die den Lebkuchen mit genau diesen Gewürzen zunächst als Heilmedizin erfunden hatten. Aber da die Konditoren und Lebküchner diese „Pfeffer“ auch verwendeten, Schokolade das Nebenprodukt von den Lebkuchen war, zeigt sich darin die Verbindung von Pfefferküchler und Apotheker, von Lebkuchen, Schokolade und Medizin.
Selbst wenn die Ärzte die Schokolade damals als Medizin einstuften und verschrieben, so war diese „Arzneischokolade“ nicht nur auf Rezept erhältlich, sondern in den Verkaufsräumen der Pfefferküchler, wie Friedrich August Miethe es war. Er hatte damit den Grundstein für die heute älteste Schokoladenfabrik Deutschlands gelegt, bekannt unter dem Namen „Halloren“.
Schokolade war nicht nur Medizin, vor allem im 18. Jahrhundert absolutes Luxusgut. Die Reichen zelebrierten das Trinken der Schokolade in ihren Salons.
Denn nach wie vor musste die Schokolade, auch die Medizinkugeln, verflüssigt und getrunken werden. Dazu wurden mit dem Zuckerhammer Stückchen abgeklopft oder mit dem Schabemesser ein paar Streifen abgeschabt und diese dann geraspelt, falls jemand die Schokolade wirklich pur „naschen“ wollte. Ein Stück abbeißen, wie wir es heute tun? Unmöglich. Schokolade war die „Süßigkeit“, an der man sich im wahrsten Sinne des Wortes die Zähne ausgebissen hätte.
Geschmeckt hat sie jedenfalls nicht und war außer Medizin vor allem sozialer Status mit Kick. Denn dieses Gefühl war neu. Aufputschmittel gab es nicht. Doch mit dem Kakao große Mengen Theobromine, chemisch eng verwandt mit Koffein. Das regte zudem die Ausschüttung von Endorphinen und Dopamin an, was die Menschen damals wie heute euphorisch werden ließ und die Stimmung aufhellte. Zudem wurde Schokolade nachgesagt, die Durchblutung anzuregen und den ganzen Körper zu erwärmen, weshalb es bald den Ruf als Liebestrank hatte. Und nur wer sich Schokolade leisten konnte, galt als reich und exklusiv.
Zwar schmeckte die Schokolade nicht und galt rein geschmacklich betrachtet eher als ungenießbar, aber die positive Wirkung und den soziale Status wollte man haben. Allerdings brauchte es einen Hammer, um Schokolade überhaupt in die Finger nehmen zu können, denn die Schokolade war eine dicke Rolle oder ein ebenso dicker unförmiger ziegelsteinartiger Block und steinhart.
Die Schokolade, wie wir sie kennen, ist eine moderne Erfindung und ein anderer Teil der Geschichte der Schokolade.

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