Halloren: Deutschlands älteste Schokoladenmanufaktur

und ein kleiner Ausflug in die Geschichte der Schokolade

Foto mit KI bearbeitet

Kaum war das Paket da und geöffnet, habe ich schon die erste Packung geleert. Mhm. Einfach zum Dahinschmelzen. Leckere Schokolade kommt eben nicht aus der Schweiz, sie kommt aus Deutschland und zwar aus der ältesten Schokoladenfabrik des Landes und heißt heute „Halloren“.

Als Kind habe ich diese Pralinenpackung noch öfter in den Regalen unserer Einkaufsmärkte gesehen. Im Schlecker war sie jedenfalls erhältlich. Doch Schlecker gibt es nicht mehr und so fehlt die Schokolade heute in vielen Regalen. Das ist schade, aber es gibt den Halloren Onlineshop, der die gesamte schokoladene Vielfalt zeigt.

Auch wenn das Logo eher klein ist, so fällt es doch auf. Zu sehen ist ein traditioneller Salzwirker, noch früher auch Salzsieder genannt. Das waren Handwerker, die aus dem salzhaltigen Quellwasser reines Speisesalz hergestellt haben. Und diese rußschwarzen Arbeiter wurden von den wohlhabenden Ratsherren eher abfällig als Halloren bezeichnet.
Hall bedeutet Salz – wie es auch in den Namen Bad Reichenhall beispielsweise steht- und die Endung „oren“ oder früher „eren“ ist einfach das Anhängsel als Bezeichnung für Leute aus einem Ort, so wie wenn wir das „er“ als Endung an den Ortsnamen fügen und „die Gräfenberger, Igensdorfer oder Bamberger“ sagen. Halloren waren somit Salzwirker oder Bürger aus Halle, die mit Salz zu tun hatten. Sie lebten in den tiefer gelegenen Gebieten in Halle. Eher isoliert.

Trotzdem oder gerade deswegen gelang es den Salzwirkern aus Halle, einen Ehrentitel aus dem Schimpfwort „Halloren“ zu formen. Wie? Indem sie sich zu einer streng organisierten Bruderschaft zusammengeschlossen haben und durch ihr Handwerk zu Wohlstand gelangten. Die Halloren waren nun angesehene Mitglieder der Gesellschaft und Halloren gilt heute noch als Ehrenbezeichnung. (1) Sie hatten auch eigene Gesetze und Gerichte und anders als die Hallenser (so wurden die anderen Bürger in Halle bezeichnet), folgten sie nicht der Kleidermode, sondern blieben traditionell mit ihren Silberkugelknöpfen und dem Dreispitzhut. Auch dieser ist auf dem Halloren Logo und die silbernen Kugelknöpfe waren die Vorlage für die Form der Halloren Pralinen, die es heute in vielen Geschmacksrichtungen gibt.

Selbst wenn Schokolade nur wenig mit Salz zu tun hat, ist der Name Halloren sehr bekannt, vor allem bei den ehemaligen DDR Bürgern. Während dieser Zeit, genau im Jahr 1952, hat die älteste Schokoladenfabrik den Firmennamen angenommen und im selben Jahr die Halloren Kugel kreiert.

Wenn auch die älteste, aber nicht die einzige Schokoladenfabrik, war Halloren. Deutschland war gerade in den 20er und 30er Jahren sehr führend, was die Herstellung von Schokolade betraf, war doch Deutschland weltweit führender Standort für Kakaoverarbeitung. Gerade in den Boom-Jahren sprossen Schokoladenfabriken aus der Erde, von 180 Betrieben im Jahr 1914 auf fast 400 Süßwarenbetriebe bis vor kurz dem zweiten Weltkrieg. (2)

Allein in Dresden gab es 28 Fabriken, gefolgt von Berlin mit der damals weltweit größten Fabrik Sarotti und Köln mit Stollwerck (Alpia, Sarotti), was nun in Belgien hergestellt wird, aber auch Ritter Sport, damals in Stuttgart, stellte und stellt noch heute berühmte und beliebte Schokolade her. Und Halloren, zumindest den großen Teil.

Diese älteste Schokoladenfabrik wurde ursprünglich vom Konditor Friedrich August Miethe gegründet (3), 1851 an Friedrich David verkauft, der unter dem Namen „Friedrich David und Söhne“ firmierte. Aber der Name „David“ und die NS-Zeit? Um Ärger vorzubeugen, wurde die Firma in „Mignon Schokoladenwerke“ umbenannt. Doch nach Kriegsende wurde die DDR gegründet und damit begann die Enteignungswelle. Aus Mignon wurde die VEB (Volkseigener Betrieb) Halloren mit seiner Markenkugel, die im Osten zur Kult-Schokolade geworden und überall erhältlich war. Am Ladentisch, nicht unter der Hand, wie im Internet zu lesen ist.

Doch warum Halloren als Firmennamen?

Dafür gab es mehrere Gründe und einen betriebsinternen Namenswettbewerb. Der Name Halloren vereinigte all das, wofür die DDR stand. Alles Kapitalistische sollte weg, deshalb auch der Name des kapitalistischen Besitzers. Halloren, die Mitglieder der Bruderschaft, waren Arbeiter in einem traditionsreichen Beruf. Ideal für die DDR mit ihrer Arbeiterklasse. Die Bevölkerung konnte sich mit dem Begriff, der namensgebend für die Firma werden sollte, identifizieren. Der Name hatte einen hohen Wiedererkennungswert und zuletzt war es ein kluger Schachzug, da Produkt und Name eine Einheit bildeten. (5) und (3)

Von den anderen ostdeutschen Schokoladenfabriken wurden viele zusammengefasst, sodass nur noch wenige Großbetriebe übrig blieben, wie Grabower zum Beispiel.

Auch im Westen Deutschlands sind viele Betriebe von Großkonzernen geschluckt worden. Stollwerck, der damals weltweit größte Schokoladenkonzern, mit Sarotti gehören nun einer belgischen Firma. Sprengel wurde von Stollwerck übernommen und ist nun komplett von der Bildfläche verschwunden und Hachez (Bremen) wurde an Dänemark verkauft. Von den einst 400 Fabriken und Betrieben, sind noch zwischen 60 und 70 produzierende Unternehmen geblieben, inklusive Zulieferer für Kakaomasse. (4) Manche ostdeutsche Unternehmen haben ihre Produktion nach der Wende nach Westdeutschland verlagert. Trumpf zum Beispiel.

Noch immer zu 100 Prozent in deutschem Firmenbesitz und Produktion in Deutschland sind:

Alfred Ritter GmbH & Co KG, bekannt für Ritter Sport, „Quadratisch, praktisch, gut“

August Storck KG: Die riesige Süßwarengruppe aus Berlin und Halle (Westfalen), bekannt für Merci, Toffifee, Knoppers und Riesen.

Rübezahl / Riegelein (R.G. Genuß Holding) – zwei Firmen haben sich zusammengeschlossen und sind bekannt für Sun Rice (Puffreis Schokolade), Gubor (Premiumschokolade) mit den Pralinen und die ganzen Riegelein (aus Cadolzburg) Osterhasen und Nikoläuse, die heute in sämtlichen Märkten auf den Dezember warten.

Rausch GmbH: bekannt für die Edel-Kakao Schokoladen in den Supermärkten, beispielsweise Ecuador, Grenada oder Mister Choc

Weinrich Schokoladenfabrik: bekannt für Vivani, die Bio-Schokolade und andere Fair Trade Schokolade.

Halloren ist kein Familienunternehmen mehr, sondern eine Aktiengesellschaft, die mehrheitlich einer Investmentfirma gehört.
Aber die Kugel in ihren vielfältigen Geschmacksrichtungen, bleibt 100 Prozent Halle an der Saale.

(1) Salzwirker Brüderschaft
(2) NS Zwangsarbeit
(3) Halloren
(4) Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie
(5) Wikipedia

Das war der erste Teil des kleinen Ausflugs in die Geschichte der Schokolade. Teil 2 folgt. 🙂


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