Erziehungsgehalt statt Krippenbetreuung

Foto KI erstellt

Vielleicht bin ich nicht „erfolgsorientiert“ genug, vielleicht bin ich zu weichherzig, aber wenn ich mich wo auch immer, mit Eltern über Krippenkinder unterhalte oder selbst Krippenkinder und Eltern treffe, wird mir weh ums Herz. Es wird Wertemangel beklagt, doch woher sollen die Werte kommen?

Die Namen sind geändert.

Situation 1: „Hör auf“, rufen Elias und Finn lautstark. So sollen sie sich wehren, wenn Lea wieder mit beiden Armen und Händen um sich schlägt. Bevor die beiden Jungen zu Lea gingen, stand die Zweijährige irgendwo in dem großen Raum mit den vielen Spielecken der Kita. Spielen wollte sie nicht wirklich. Sie ist still, der Blick fragend, aber inzwischen auch resigniert. Reden kann sie fast noch nicht.

Die beiden Jungen wollten Lea zum Spielen bewegen, doch kaum nähert sich ein Kind dem Mädel auf wenige Zentimeter, beginnt das kleine Kind sich zu wehren. „Ich will meine Ruhe“, möchte Lea damit ausdrücken. Und noch viel mehr. Sie möchte eigentlich nicht hier sein. Sie möchte nicht in der lauten Gruppe mit anderen Babys und Kleinkindern sein. Der Lärm macht sie unsicher. Sie möchte Ruhe, sie möchte umarmt werden, sie möchte zu Hause auf dem Boden Bücher anschauen oder mit ihren Bausteinen und Puppen spielen.  

Als das alles nicht hilft und Lea partout nicht aufhört, die Kinder „wegzuschlagen“, kommt die Erzieherin und erklärt ihr, dass sie andere Kinder nicht schlagen dürfe. Die Erzieherin nimmt Lea an der Hand und nimmt sie aus dem Geschehen heraus. Spielen darf Lea nun aber auch nicht.

Lea versteht die Welt nicht mehr. Was hat sie getan? Sie hat doch nur ihre Bedürfnisse kommuniziert. Sie möchte ihre Ruhe haben. Doch niemand hat ihre nonverbale Kommunikation verstanden. Die Kinder werden aufgemuntert, das Mädchen zum Spielen zu motivieren, damit es nicht allein ist und sie wurden aufgefordert, sich mit lauten Rufen zu wehren, wenn Lea wieder „schlägt“.

Was lernt Lea? Dass sie nicht auf ihre Bedürfnisse achten darf. Dass sie bestraft wird, wenn sie ihre Bedürfnisse äußert. Dass sie ihre Meinung nicht mitteilen darf. Wie wird sich Lea verhalten, wenn sie älter ist? Sie wird sich entweder zurückziehen oder sich von vornherein wehren, noch bevor ein „Angriff“ stattgefunden hat.

Situation 2: Der eineinhalb-jährige Jonas läuft wackelig im Sand auf dem Spielplatz. Dorthin hat der Ausflug der Krippenkinder geführt. Ein paar Erwachsene sind dabei. Das sind die Erzieherinnen, aber auch Jonas Mutter. Immer wieder versucht er zu seiner Mutter zu gelangen, Tränen laufen über das Gesicht. Als er seine Mutter erreicht hat, hebt sie ihn hoch, nimmt ihn in den Arm. Der kleine Junge hört auf zu weinen. Dafür fängt seine Mutter an.

„Es ist die Eingewöhnung“, sagt sie entschuldigend zu mir.

Am liebsten hätte ich ebenfalls geweint, denn offensichtlich litten beide unter der Situation.

„Müssen Sie“, fragte ich und meinte, das Kind in die Krippe geben.

Sie schüttelte den Kopf.

„Alle geben ihr Kind in die Krippe. Ich bin von den Freundinnen und der Familie gedrängt worden, das auch zu tun“, erklärte sie mir.

„Wenn Sie nicht müssen, tun Sie es bitte nicht“, antwortete ich.

Es gibt mehrere Lager, die Krippenbetreuung und somit Fremdbetreuung ihrer Kinder befürworten. Das eine sind die Eltern, die selbst in Krippen aufgewachsen sind.

„Es hat uns nicht geschadet, es schadet ihnen auch nicht“, lautete die Erklärung einer Frau, die ihre Kinder alle sobald es möglich war, in die Krippe steckte. Eine andere war der Meinung, Kinder sollten von Geburt an geregelte Tagesabläufe haben, was gut für die Berufstätigkeit sei.

Die andere Kategorie Eltern sind die, die nach Studium und einer guten beruflichen Anstellung wegen eines Kindes nicht verzichten möchten.

Dann sind da noch die Eltern, die es finanziell ohne Mitarbeit der Frau nicht schaffen. Und die Eltern, die das einfach modern finden.

Von der damals zur Diskussion gestellten „Herdprämie“ will niemand etwas wissen und auch nicht drüber reden, lautet doch die allgemeine Haltung dazu, dass man sich damit in die Steinzeit zurück bringen würde und damit alles, was Feministinnen erkämpft hatten, mit Füßen treten würde.

Wer will schon zerstören, was andere mühsam aufgebaut haben?

Zerstört wird allerdings doch, nämlich Kinderseelen durch zu frühe und zu lange Fremdbetreuung und nichts anderes ist Krippenbetreuung.

Das hat auch der Verband für Familienarbeit e.V. (Deutscher Familienverband DFV) herausgearbeitet, indem viele Studien zur Fremdbetreuung analysiert wurden.

Das Ergebnis der Forschungsarbeit ist auf deren Homepage nachzulesen unter dem Stichwort „Forschungsergebnisse zur Fremdbetreuung von Kindern“ in verschiedenen Kategorien. (1)

Aber hier kurz zusammengefasst:

Abgesehen davon, dass Krippenkinder je länger sie in der Krippe betreut werden, ein höheres Risiko an ADHS zu erkranken haben und mehr Infekte haben, hat gerade der Lärmpegel in den Krippen hirn- und gesundheitsschädigende Ausmaße.

Eine Förderung kognitiver Fähigkeiten bei benachteiligten Kindern konnte nicht festgestellt werden. Allerdings gibt es viele Verhaltensauffälligkeiten bzw. die Wahrscheinlichkeit diese Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln ist sehr hoch. Das sind entweder gewalttätiges und aggressives oder antisoziales Verhalten oder im Gegenteil die Zurückgezogenheit und Gefügigkeit. Bestimmt auch Ängstlichkeit.

Krippenbetreuung führt zu unsicherem Bindungsverhalten und sogar zu Bindungsstörungen.

Von Förderung durch Krippen könne keine Rede sein. Im Gegenteil. Die besten Bildungschancen haben Kinder, die in der Familie bleiben dürfen.

Interessant ist, wie der positive Ruf der Krippenbetreuung zustande kam: Positive Effekte  wurden einfach behauptet und so weitergegeben, abgeschrieben und so weiterverbreitet, Studien umgedeutet… Vor allem die Behauptung, dass frühkindliche Betreuung frühkindlicher Bildung entspreche. Und vieles mehr.

Der Verband fordert ein Erziehungsgehalt, damit keine Familie gezwungen wird, ihren Kindern der Risiken der Fremdbetreuung aussetzen zu müssen.

Statt finanzielle Krippenförderung lieber Erziehungsgehalt. Denn bei allen Vorteilen und gut gemeinten Absichten, auf der Strecke bleibt das Kind.

Auch andere Interessen- und Familienverbände wie der Deutsche Familienverband, der Verband Familienarbeit oder die Katholischen Familienverbände zeigen durch internationale und nationale Langzeitstudien die Risiken zu hoher Betreuungsstunden bei Kleinstkindern auf.

Wir durften als Kinder aufstehen, wenn wir wach wurden, spielen, wann wir wollten und wurden auch umarmt, statt vom Wecker geweckt zu werden und von dem warmen Zuhause weggebracht zu werden. Dafür bin ich heute noch unendlich dankbar.

1= Verband  Familienarbeit / Forschungsergebnisse zur Fremdbetreuung von Kindern

Text: Frankengedanken

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